Die Wilde Möhre (Daucus carota)
Wer jetzt die schönen Tage draußen unterwegs war, hat an Wegen, Böschungen und Dämmen, z.T. auch in Wiesen, Magerrasen und Brachflächen sicherlich auch die Wilde Möhre mit ihrer weißen Doldenblüte gefunden. Sie liebt lockere, sandige oder steinige, oft wenig bewachsene Böden und blüht etwa von Juli bis hinein in den Oktober.
Die Wilde Möhre ist eine zweijährige Pflanze, bei der sich im ersten Jahr nur eine Blattrosette entwickelt. Mit dieser bildet sie Nährstoffe, die in der Wurzel gespeichert werden. Im darauf folgenden Jahr wächst der bis zu 100 cm hohe, borstig behaarte Stängel mit den Blütendolden, die im voll aufgeblühtem Zustand flach gewölbt sind. Dagegen sind beim Aufblühen und zur Fruchtreife die Doldenstrahlen vogelnestartig zusammengeneigt. Dieser Blütenstand ist aus kleineren Dolden zusammengesetzt, die ihrerseits aus vielen kleinsten Blüten bestehen. Aus unzähligen unscheinbaren Blüten entsteht so ein großer, attraktiver Gesamtblütenstand. Insekten wie Bienen, Schwebfliegen und Käfer werden dadurch besonders angezogen. Die Wilde Möhre bedient sich aber auch noch eines weiteren Tricks: In der Mitte der Blütendolde befindet sich oft eine schwarzpurpurn gefärbte, sterile, etwas größere Lockblüte. Mit dieser ahmt die Pflanze ein Insekt nach und will so echte Insekten zur Bestäubung anlocken. Die Lockblüte der Dolde wird im Volksmund wegen ihrer dunklen Farbgebung auch als Mohr bezeichnet. Vielleicht stammt das Wort Mohrrübe daher.
Apropos Mohrrübe: Die Wilde Möhre ist wahrscheinlich eine Urgroßmutter unserer Gelben Rübe. Diese Zuchtform stammt von mehreren Wildformen ab: Neben unserer heimischen Wilden Möhre war wohl noch die im Mittelmeerraum vorkommende Riesenmöhre und die afghanische Wildmöhre beteiligt. Die Wilde Möhre ist ein Tiefwurzler (bis 80 cm tief). Ihre Wurzel, die auch Vitamine enthält, ist zwar ebenfalls essbar, allerdings müsste diese gekocht werden, da sie roh holzig und zäh ist. Außerdem ist sie bleich und nicht orange. Reibt man jedoch an der Wurzel, entfaltet sich der bekannte Mohrrübenduft. Der Volksmund sagt der Wurzel übrigens nach, eine aphrodisierende Wirkung zu haben.
Wer die Wilde Möhre genau anschaut, kann manchmal vielleicht sogar die grün schwarze Raupe des Schwalbenschwanz entdecken, die sie als Futterpflanze benötigt. Alles in allem ist die Wilde Möhre eine dekorative und für Mensch und Tier wichtige Pflanze, die an vielen Wegrändern zu finden ist.
Weitere Bilder: