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Die kleine Unbekannte: Die Schlingnatter

Mit einer Körperlänge von durchschnittlich 70 cm ist die Schlingnatter nicht nur unsere kleinste heimische Schlangenart, sie lebt zudem auch sehr versteckt und heimlich. So ist es kein Wunder, dass sie bei Spaziergängen durch die Natur selten gesichtet wird und recht unbekannt ist.

Die Schlingnatter - ein Steckbrief

Die Grundfärbung der Schlingnatter variiert in den verschiedensten Grau- oder Brauntönen (daher auch die volkstümlichen Namen Kupfer- und Haselnatter). Die Rückenseite ist mit einem variablen Muster aus zwei Reihen paarig oder versetzt angeordneter dunkler Flecken gezeichnet. An der Kopfseite zieht sich ein dunkler Augenstreif vom Nasenloch bis zum Hals. Im hinteren Kopfbereich befindet sich ein braunschwarzer, nach hinten geöffneter Fleck, der auffallend herz- oder hufeisenförmig beziehungsweise krönchenartig geformt ist, woher die Schlingnatter ihren wissenschaftlichen Gattungsnamen „Coronella“ (= Krönchen) erhalten hat. Sie ernährt sich bevorzugt von Eidechsen, Kleinsäugern und Jungvögeln. Größere Beutetiere werden von ihr umschlungen und erstickt, was ihr zu ihrem deutschen Namen verholfen hat.

Die Schlingnatter fühlt sich aufgrund ihrer ungekielten Rückenschuppen glatt an, so dass sie oft auch als Glattnatter bezeichnet wird. Von der ähnlichen Kreuzotter unterscheidet sich die ungiftige Schlingnatter u.a. durch die runden (nicht schlitzförmigen) Pupillen.

Hauptsache warm und trocken: Entwicklung und Lebensräume

Schlingnattern besiedeln bei uns trockenwarme und kleinräumig gegliederte Lebensräume. Diese weisen sowohl offene, oft steinige Elemente (Felsen, Steinhaufen / -mauern) und liegendes Totholz als auch niedrigen Bewuchs auf. Im Wechsel mit Rohbodenflächen sind aber auch Gebüsche oder lichte Wald möglich. Derartig kleinräumig gegliederte Lebensräume (Strukturvielfalt) ermöglichen den Tieren einen Wechsel zwischen Sonnenplätzen und Versteckmöglichkeiten. Die Tiere kommen aber auch in vom Menschen geschaffenen Strukturen wie Bahndämmen, Straßenböschungen, Steinbrüchen, Trockenmauern oder (Strom- und Gas-) Leitungstrassen vor, die ebenso als Wander- und Ausbreitungslinien wichtig sind. Auch am Siedlungsrand kann man die Tiere vor allem in naturnahen Gärten sowie an unverfugtem Mauerwerk finden.

Nach Beendigung der Winterruhe verlassen die tagaktiven Schlingnattern Anfang bis Mitte April die Winterquartiere, um ausgiebig in der Sonne zu baden. Im Mai findet die Paarung statt. Die trächtigen Schlingnatterweibchen sind anschließend sehr ortstreu, während Männchen und nichtträchtige Weibchen weit umherstreifen können. Von Ende Juli bis September werden durchschnittlich 4 - 8 lebende Jungen geboren.

Ab Anfang Oktober werden die Winterquartiere aufgesucht. Die Tiere verstecken sich meist einzeln in trockenen, frostfreien Erdlöchern, Felsspalten oder in Trocken- und Lesesteinmauern. Die Schlingnatter ist eine ausgesprochen standorttreue Art. Gute Winterquartiere, Sonnplätze und Tagesverstecke werden oftmals über viele Jahre genutzt.

Hilfe für die Schlingnatter

Im Naturpark Oberpfälzer Wald ist die Schlingnatter beispielsweise an wärmebegünstigten Stellen im Naab, Pfreimd- und Schwarzachtal, vereinzelt aber auch im Schönseer Land zu finden. Die Schlingnatter profitiert dort von sonnigen und reich strukturierten Standorten.

Die Schlingnatter ist besonders geschützt und gilt in Bayern nach der Roten Liste als in ihrem Bestand „stark gefährdet“. Sie wird von der EU als „streng zu schützende Tierart“ eingestuft. Alle in Bayern vorkommenden Schlangen sowie die Blindschleiche stehen unter Naturschutz, deshalb darf man sie weder anfassen noch fangen oder töten.

Mit dem Verlust strukturreicher Landschaften gehen auch die Lebensräume der Schlingnatter verloren. Als Ursache ist einerseits die Aufgabe traditioneller Bewirtschaftungsweisen (z.B. Beweidung von Magerrasen), anderseits aber intensivierte Landnutzungen (Beseitigung von Säumen, Rainen und Kleinstrukturen, Aufforstungen) zu nennen. Auch die direkte Verfolgung durch den Menschen infolge der Verwechslung mit der Kreuzotter gefährdet die Schlingnatter.

Für ein Schutzkonzept für die Schlingnatter müssen zum einen die verbliebenen Lebensräume erhalten und optimiert werden. Zum anderen ist es notwendig, die Lebensbedingungen in der Kulturlandschaft durch die Anlage von Kleinstrukturen und die Förderung von Säumen (insbesondere an Waldrändern) deutlich zu verbessern. Die Schlingnatter ist dabei als Leitart einer traditionell genutzten Kulturlandschaft geeignet.

Mögliche Maßnahmen zur Förderung der Schlingnatter:

• Lesesteinhaufen oder Trockenmauern anlegen

• Totholzhaufen aufschichten

• strukturreiche und besonnte Randstreifen schaffen

• Gärten naturnah gestalten (ohne Pestizide)

• Zwergstrauchheiden und Magerrasen erhalten

• natürliche Felsstandorte auflichten

 

Wenn Sie eine Schlingnatter gesehen haben, können Sie Ihre Meldung gerne an den Naturparkverein weitergeben:

Tel. 09431/471-373, Email: npv@naturpark-opf-wald.de

 

Weitere Infos im Faltblatt „Die Schlingnatter im Naturpark Oberpfälzer Wald“.

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