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Faszinierend, aber bedroht: Heimische Orchideen

Nicht nur tropische, sondern auch heimische Orchideen beeindrucken mit ihren teils außergewöhnlichen und prachtvollen Blüten. Ein kleiner Teil der rund 60 in Deutschland vorkommenden Orchideenarten wächst auch im Landkreis Schwandorf. Unsere Orchideen leben mit ihren Knollen und Wurzeln ausnahmslos in der Erde (im Gegensatz zu manchen tropischen Arten) und sind dabei auf die Symbiose mit speziellen Wurzelpilzen (Mykorrhiza) angewiesen. Ein Verpflanzen der attraktiven Blumen in den heimischen Garten ist deshalb von Anfang an zum Scheitern verurteilt, da der Bodenpilz fehlt und die Orchidee dadurch nach kurzer Zeit abstirbt. Weitere Gefährdungen sind der Stickstoffeintrag durch Düngung, Trockenlegen von Standorten und Intensivierung der Bewirtschaftung, aber oftmals auch eine fehlende, an die Orchideen angepasste Pflege. Nachfolgend sind einige der häufigeren Arten kurz beschrieben:

 

Das Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis), auch als Breitblättrige Fingerwurz oder Kuckucksblume bezeichnet (weil sie blüht, wenn der Kuckuck ruft), wird bis 50 Zentimeter hoch und hat einen breiten, kantigen Stängel, der zur Blüte hin violett gefärbt sein kann. Die breiten Blätter sind fleischig grün und auf der Oberseite schwarzrot bis purpurn gefleckt. Bis zu 50 Blüten stehen in einem walzenförmigen Blütenstand dicht beieinander und sind rosarot bis purpurrot gefärbt. Die grün bis roten Tragblätter sind etwas länger als die Blüten. Bestäubt werden die Pflanzen von Bienenverwandten, die die Pollenmasse am Kopf an die Narbe anderer Blüten tragen. Die bei uns noch relativ häufige Orchidee kommt vorzugsweise in stickstoffarmen, sonnigen Feucht- und Nasswiesen vor, die zumindest einmal im Jahr spät gemäht werden.

 

Das im Norden und Osten des Naturparks vereinzelt vorkommende Kleine Knabenkraut (Orchis morio) wird 10 bis 35 Zentimeter hoch und besitzt ungefleckte breitlanzettliche Laubblätter, die am Grund rosettig angeordnet sind. Am Stängel befinden sich drei bis sechs Blätter die bis kurz unter den Blütenstand reichen. Die zahlreichen Blüten sind in der Regel hellrosa bis dunkelviolett und bilden einen breit ausladenden, eiförmigen Blütenstand. Die seitlichen Kelchblätter besitzen ein auffälliges, grünes Linienmuster und stehen etwas ab. Die Blütezeit beginnt bei uns in der ersten Maihälfte. Bestäubt wird das Kleine Knabenkraut maßgeblich von Hummeln und Bienen. Man findet es auf Magerwiesen, Trockenrasen und Flachmooren auf kalkhaltigen und basischen Böden.

 

Die bei uns noch relativ häufige Breitblättrige Stendelwurz (Epipactis helleborine) erreicht Wuchshöhen zwischen 50 und 100 Zentimetern und hat kräftige, breitblättrige und dunkelgrüne Blätter. Sie beginnt Ende Mai auszutreiben und blüht zwischen Ende Juli und Ende August. Die Blütenstände tragen ungefähr 15 bis 80 Einzelblüten, die die typische Form der meisten heimischen Orchideen mit drei äußeren und drei inneren Blütenblättern haben. Diese sind außen grünlich, innen mehr oder minder stark rötlich oder purpurn überlaufen. Nach der Bestäubung, oft durch Faltenwespen, entwickelt sich der staubfeine Samen, der mit dem Wind sehr weit getragen werden kann. Hauptlebensraum der Orchidee sind Laub- und Mischwälder aller Art, vor allem Buchen- und Hainbuchenwälder. Oft wächst sie an lichten Waldwegen und gelegentlich in Nadelholzbeständen.

 

Im nordöstlichen Naturpark ist die Weiße Waldhyazinthe (Platanthera bifolia) immer wieder zu finden. Sie erreicht Wuchshöhen von 20 bis 50 Zentimetern und besitzt zwei langovale, ungefleckte grundständige Blätter, die schräg nach oben gerichtet sind. Am gelbgrünen Stängel finden sich bis zu sechs kleine lanzettliche Blätter. Der zylindrische Blütenstand ist in der Regel locker mit 15 bis 25, manchmal bis zu 50 weißen bis gelblichgrünen Blüten besetzt und nimmt etwa ein Drittel der Wuchshöhe ein. Die Blütezeit dauert etwa von Juni bis August. Die Blüte duftet nur während der Nacht und wird daher von nachtaktiven, langrüsseligen Schmetterlingen bestäubt. Die Weiße Waldhyazinthe ist an Waldrändern, in Mager- und Borstgrasrasen und auf moorigen Wiesen zu finden. Durch ihre Anpassungsfähigkeit zählt sie (noch) zu den häufigsten Orchideen in Bayern.

 

Wenn Sie eine der Orchideen gesehen haben, können Sie Ihre Meldung gerne an den Naturparkverein weitergeben:

Tel. 09431/471-373, Email: npv@naturpark-opf-wald.de

Weitere Infos im Faltblatt: "Orchideen im Naturpark Oberpfälzer Wald"

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Verein Naturpark
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