Sprungziele
Inhalt

 

Der Lurch des Jahres 2014: Die Gelbbauchunke

Die Gelbbauchunke, auch Bergunke genannt, gehört zu den Froschlurchen. Sie wird nur rund 4 cm groß. Charakteristisch sind die herzförmigen Pupillen. Ihre warzige Oberseite ist lehm- bis graubraun, der gelb gefärbte Bauch weist ein Muster aus dunklen Flecken auf. Weil das Zeichnungsmuster der Unterseite bei jedem Tier verschieden ist, ermöglicht dies eine individuelle Unterscheidung. Diese gelb-schwarze Warnfärbung soll Angreifer abschrecken. Dazu biegt eine Unke, die an Land überrascht wird, den Rücken durch und dreht ihre Gliedmaßen an den Seiten nach oben, bis die Unterseite sichtbar wird („Kahnstellung“).

Die Drohung der Unke ist kein Bluff: Ein giftiges Hautsekret, das bei Gefahr abgegeben wird, verdirbt Feinden den Appetit, falls sie sich trotz der Warnfarbe an der Unke vergreifen. Für den Menschen ist das Gift nicht gefährlich, aber stark schleimhautreizend.

Nur während der Paarungszeit sind Männchen mit ihren schwarzen Schwielen an Unterarm und Daumen von Weibchen zu unterscheiden. Der Paarungsruf der Männchen ist ein leises, regelmäßiges „uuh...uuh...uuh“, das sie oft frei auf der Wasseroberfläche schwimmend ausstoßen.

Viel Sonne und wenig Pflanzen: Die Entwicklung der Gelbbauchunke

Die Gelbbauchunke überwintert in Waldnähe oder im Wald in frostfreien Unterschlüpfen. Je nach Witterung erscheinen ab April die erwachsenen Tiere an den Laichgewässern. Dies sind meist flache, besonnte und vegetationsarme Kleingewässer. Hier findet bis Anfang August mit einem Höhepunkt im Mai und Juni die Paarung, das Ablaichen und die Entwicklung der Kaulquappen statt.

Die Männchen halten sich oft längere Zeit im Laichgewässer auf. Weibchen kommen meistens nur nach Regen zur Laichablage ans Wasser. Ein Weibchen kann mehrmals im Sommer Eier ablegen. So wird das Risiko verteilt, dass die wenigen Nachkommen gefressen werden oder vertrocknen. Die Eier werden einzeln oder als kleine Klumpen im flachen Wasser meist an Pflanzen geklebt. Die Kaulquappen sind graubraun gefärbt, eiförmig und haben einen gewölbten Schwanz, dessen Ansatz bis zur Rückenmitte reicht. Die Entwicklung der Kaulquappen dauert ein bis zwei Monate.

Leben zwischen Wald und Fahrspur

Als typische Pionierart kann die Gelbbauchunke rasch neue Gewässer besiedeln, verschwindet aber bei zu starker Beschattung, Verkrautung oder Fischbesatz wieder. Ursprünglich war sie ein Bewohner der Bach- und Flussauen, wo sie in den immer wieder neu entstandenen, temporären Kleingewässern vorkam. Heute besiedelt sie häufig vom Menschen geschaffene Ersatzlebensräume wie Abbaustellen (Kies- und Tongruben, Steinbrüche) oder militärische Übungsplätze. Hier findet die Gelbbauchunke geeignete Laichgewässer wie wassergefüllte Wagenspuren, Pfützen, Tümpel, Regenrückhaltebecken oder Gräben, die gelegentlich austrocknen. Meist sind diese vegetationsarm und frei von konkurrierenden Arten und Fressfeinden. Auch entlang von Feld- und Waldwegen mit verdichteten, wassergefüllten Fahrspuren kann man die Gelbbauchunke antreffen.

Der Landlebensraum der Gelbbauchunke besteht aus strukturreichem Wald oder Offenlandlebensräumen mit eingestreuten Feldgehölzen und Versteckmöglichkeiten wie z.B. Steinen, Streu oder Totholz.

Die Gelbbauchunke im Landkreis Schwandorf

Im nördlichen Landkreis Schwandorf findet man die sehr seltene Gelbbauchunke in wenigen Abbaustellen im Raum Oberviechtach und Neunburg vorm Wald sowie vereinzelt bei Wernberg-Köblitz. Häufiger ist sie dagegen noch im südlichen Landkreis anzutreffen.

Die Gelbbauchunke ist in Deutschland streng geschützt und gilt in Bayern nach der Roten Liste als in ihrem Bestand „stark gefährdet“. Auch europaweit ist die Gelbbauchunke eine streng zu schützende Art, für deren Erhalt besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen.

Hilfe für die Gelbbauchunke

Auch bei uns ist der Lebensraum der Gelbbauchunke durch Trockenlegung von Feuchtgebieten, Zerstörung von Kleinstgewässern oder Begradigung von Fließgewässern gefährdet. Oft stammen die typischen Gelbbauchunken- Laichgewässer aus Menschenhand (wie Baggerlöcher, Fahrspuren) und sehen leider nicht besonders schützenswert aus.

Wichtig zur Förderung der Gelbbauchunke sind beispielsweise der Erhalt und die Schaffung von Kleintümpeln und unbeschatteten Rohbodenflächen auf staunassen Böden, in feuchten Wiesenmulden oder durch Anstau in offenen Entwässerungsgräben. Als Tagesverstecke können Reisighaufen, liegende Stämme, Wurzelstöcke oder Steinhaufen in Gewässernähe dienen. Die Flächen sollten möglichst in der Nähe zu vorhandenen Vorkommen liegen.

Erste Maßnahmen haben gezeigt, dass sich die Gelbbauchunke auch mit geringem Aufwand sehr gut fördern lässt.

Wenn Sie eine Gelbbauchunke gesehen haben, können Sie Ihre Meldung gerne an den Naturparkverein weitergeben:

Tel. 09431/471-373, Email: npv@naturpark-opf-wald.de

Weitere Infos im Faltblatt: "Die Gelbbauchunke im Naturpark Oberpfälzer Wald"

Zurück

Verein Naturpark
Oberpfälzer Wald e.V.

Wackersdorfer Str. 80
92421 Schwandorf
Tel. 09431 / 471-0
Fax 09431 / 471-100
npv@naturpark-opf-wald.de