Jedem Feld seine Kette! - Das Rebhuhn
Bei dieser Ausgabe des Schwarzachtalanzeigers geht es um eine Tierart, die früher sehr häufig in unserer Feldflur anzutreffen war. Das Rebhuhn ist ursprünglich ein Bewohner trocken-sommerwarmer Steppen- und Heidelandschaften. Es fand bei uns einen neuen Lebensraum, als die gerodeten Waldlandschaften in landwirtschaftliche Flächen umgewandelt wurden.
Das Rebhuhn ist ein etwa 30 Zentimeter großer, kurzbeiniger, gedrungener Hühnervogel, der etwa 300 bis 450 Gramm schwer wird. Dank seines überwiegend braungrauen Gefieders ist es ein Tarnungskünstler. Darauf weist auch der erste Teil seines Namens hin, der sich von einen alten Wort für „gesprenkelt, scheckig“ ableitet. Erwachsene Rebhühner haben ein orangebraunes Gesicht und Kehle und tragen auf der Brust einen mehr oder weniger stark ausgeprägten dunkelbraunen, hufeisenförmigen Fleck, der bei den Weibchen kleiner sein oder fehlen kann.
Meist bewegt sich das Rebhuhn schreitend vorwärts, es kann aber auch schnell laufen. Der Flug erfolgt vorwiegend niedrig über dem Boden, wobei längere Gleitstrecken eingelegt werden. Bei Gefahr drückt sich das Rebhuhn flach an den Boden. Das Rebhuhn ist überwiegend in der Dämmerung und am Tage aktiv. Es bleibt in der Regel sehr standorttreu in seinem Brutgebiet und verlässt dieses auch im Winter nicht, wenn es das Nahrungsangebot und die Deckungsmöglichkeiten zulassen.
Gegen Ende des Winters setzt die Paarungszeit ein. Das Weibchen baut sein Nest in einer geschützten Bodenvertiefung zwischen überhängenden Pflanzen, z.B. an Hecken, Feldrainen, Weg-, Graben- oder Waldrändern. Mitte April bis Juli, mit Schwerpunkt im Mai, legt das Rebhuhn bis zu 15 Eier. Nach einer Brutzeit von etwa 25 Tagen verlassen die geschlüpften Jungvögel rasch das Nest und sind bereits nach zwei Wochen flugfähig und mit etwa fünf Wochen selbständig. In den ersten Lebenswochen werden sie mit eiweißreicher Kost, insbesondere Insekten und deren Larven wie Ameisen, kleinen Käfern, Schmetterlingsraupen und Blattläusen gefüttert und wachsen rasch heran. Später ernähren sie sich wie die Altvögel bevorzugt von Kräutern, grünen Pflanzenteilen, Getreidekörnern und Sämereien.
Der Familienverband bleibt bis in den Winter zusammen. Auf Stoppeläckern, wo die Vögel nach Nahrung suchen und Deckung finden, kann man diese sogenannten „Ketten“ beobachten. Während der Brut und wenn sie Jungvögel führen, versuchen die Altvögel meist, potentielle Feinde zu verschrecken oder vom Gelege wegzulocken. Im Falle des „Verleitens“ täuscht ein Altvogel einen verletzten Flügel durch dessen Hängenlassen vor, so dass dem Angreifer eine leichte Beute angezeigt werden soll. Der Feind wird darauf aufmerksam und vom Gelege abgelenkt. Das Rebhuhn beschränkt sich in der Regel auf eine Jahresbrut, bei frühem Gelegeverlust ist jedoch ein Nachgelege möglich.
Rebhühner haben viele Feinde. Fuchs, Dachs, Marder, Katzen, Rabenvögel, Habicht und weitere werden den Gelegen, den Jungen und den Alttieren gefährlich. Neben diesen Räubern ist besonders aber auch kühles und feuchtes Wetter, vor allem in den ersten drei Wochen der Kükenaufzucht, für hohe Ausfälle verantwortlich. Bei schlechtem Wetter unterkühlen und ermatten die Jungtiere schneller und werden anfälliger für Krankheiten. Auch die als Nahrung dienenden Insekten bewegen sich kaum oder gar nicht. Die Küken, die vor allem auf bewegte Nahrung fixiert sind, nehmen starre und gut getarnte Insekten kaum war.
Neben einem reichen Nahrungsangebot und Deckungsmöglichkeiten vor Feinden benötigen die Rebhühner darüber hinaus auch trockene Plätze zum Sand- und Staubbaden. Deshalb fand das Rebhuhn in der vielfältigen und artenreichen Feldflur der vergangenen Jahrhunderte ideale Lebensbedingungen vor: ein kleinräumiges Mosaik aus Feldern und Wiesen, dazwischen Brachen, Raine, Hecken und Feldgehölze, unbefestigte Wege und im Winter Stoppeläcker. Rebhühner waren überaus zahlreich und wurden auch sehr stark bejagt. Sie galten als „Arme-Leute-Essen“, wenngleich wohl auch Höhergestellte gerne Rebhuhn aßen wie der König im „Gestiefelten Kater“.
Mit der Modernisierung der Landwirtschaft nach dem zweiten Weltkrieg erfolgten starke Veränderungen und die einst typischen Arten unserer Kulturlandschaft wie das Rebhuhn nahmen vor allem im westeuropäischen Raum seit Anfang der 1970er Jahre drastisch in ihrem Bestand ab. In den letzten Jahren versucht man durch verschiedene Projekte, wie z.B. auch beim Rebhuhnprojekt in den Gemeinden Gleiritsch und Tännesberg, Maßnahmen zum Schutz des Rebhuhns durchzuführen. Dabei versucht man, Extensivierungsmaßnahmen in der Landwirtschaft umzusetzen, die kleinparzelligere Ackerflächen mit Feldrainen für ein ausreichendes Angebot an Nahrungspflanzen und Insekten schaffen. Wichtig ist es auch, den Einsatz von Düngemitteln, Herbiziden und Insektiziden einzuschränken, um Wildkräutern und den an sie angepassten Insekten wieder eine Überlebenschance zu geben. Auch eine Erhöhung des Brachflächenanteils kommt dem Rebhuhn zugute, ebenso wie das zeitweilige Belassen von Stoppelfeldern, die heutzutage meist gleich nach der Ernte umgebrochen werden.
Das Rebhuhn ist ein sogenannter Indikator für eine artenreiche Feldflur. Wo seine Bestände sich verringern, ist die gesamte Lebensgemeinschaft in Bedrängnis. Von Artenhilfsmaßnahmen für das Rebhuhn profitieren aber auch zahlreiche andere Tier- und Pflanzenarten wie Tagfalter, Heuschrecken, Vögel und auch Ackerwildkräuter.
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