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Die Linde – „Am Brunnen vor dem Tore …“

Die dieses Mal vorgestellte Baumart ist aus unseren Dörfern und Städten nicht wegzudenken: Die Linde ist für uns in Mitteleuropa so eng mit dem Leben der Menschen verbunden wie kein anderer Baum. Sie steht in Höfen, in der Mitte des Dorfes, war Ort für Versammlungen und Rechtsprechung.

Bei uns heimisch sind zwei Lindenarten: die Sommer- und die Winter-Linde. Bekannt sind ihre herzförmigen Blätter, wobei die der Sommer-Linde meist größer sind als bei ihrer Schwester. Unterschieden werden können beide an der Blattoberseite und am Blattstiel, denn bei der Sommer-Linde sind diese behaart, bei der Winter-Linde kahl. Auch mit geschlossenen Augen lässt sich dieses Merkmal erfühlen. Durch die Krone der Winter-Linde „sieht man den Himmel“, sie lässt deutlich mehr Licht durchscheinen als die Sommer-Linde mit ihrem dicht schließenden Kronendach. Die Winter-Linde wird mit 25 bis 30 m Wuchshöhe etwas kleiner als die Sommer-Linde, die 35 bis 40 m hoch werden kann.

Linden werden häufig sehr alt. Der Volksmund behauptet, dass Linden „dreihundert Jahre kommen, dreihundert Jahre stehen und dreihundert Jahre vergehen.“ Eine alte Linde kann aus ihrer Krone heraus sogenannte Innenwurzeln entwickeln, die im hohlen Stamm nach unten wachsen und sich im Boden verankern. Mit fortschreitendem Alter zerfällt der innere Teil einer Linde nämlich sehr rasch, da sich im Stamm kein fester Kern wie bei den anderen Baumarten bildet. Die Linde verjüngt sich sozusagen von innen heraus und bildet so immer wieder eine junge Krone.

Die Blütezeit der Sommer-Linde beginnt etwa Mitte bis Ende Juni und damit etwa zwei Wochen vor der Winter-Linde. Wer sich einmal unter eine blühende Linde gestellt hat, ist beeindruckt vom Schwirren, Surren und Summen in der Krone. Der intensive Duft der Lindenblüten lockt Bienen und Hummeln, Fliegen und Schwebfliegen in Scharen an. Aber auch für den Menschen ist die Lindenblüte sehr wertvoll und zählt zu den bekanntesten Hausmitteln. Teezubereitungen aus den getrockneten Blütenständen werden bei Erkältungskrankheiten und damit verbundenem Hustenreiz eingesetzt. Lindenblüten enthalten viel Schleim, Zucker, Wachs, Gerbstoffe und Spuren eines ätherischen Öls. Bereits in alten Kräuterbüchern wurde der Lindenblütentee als schweißtreibendes und fiebersenkendes Heilmittel bei Erkältungen und Grippe beschrieben.

Sehr bekannt ist auch die Verwendung des Holzes in der Kunst. Getrocknetes Lindenholz lässt sich leicht und in allen Schnittrichtungen sauber bearbeiten, da es kaum noch arbeitet und reißt. Seit jeher gehört die Bildhauerei und Schnitzerei daher zu den Hauptverwendungsbereichen des Lindenholzes. Viele berühmte Meisterwerke sind aus Lindenholz hergestellt, z.B. von Tilman Riemenschneider und Veit Stoß. Wegen dieser häufigen Verwendung wurde es früher als „Heiligenholz“ bezeichnet. Besonders für die Darstellung von Gesichtszügen ist das helle Holz mit ebenmäßiger, feiner Struktur hervorragend geeignet.

In vielen Regionen Deutschlands wurde der Dorfmittelpunkt einst v.a. mit Sommer-Linden gekennzeichnet. Dieser Platz war Verkündigungsstätte, Versammlungsort, hier wurde Gericht gehalten. Unter den Linden wurden keine harten Urteile gesprochen, wo es um Leben und Tod ging, sondern hier wurden eher leichte Fälle behandelt. Es fanden jedoch auch die Feste des Dorfes unter der Linde statt. In manchen Orten wurde dafür sogar ein Tanzboden hoch oben zwischen den Ästen dieser „Tanzlinden“ aufgebaut. In Deutschland soll es über tausend Ortsnamen geben, in denen das Wort Linde vorkommt. Und ungezählt sind auch die Gasthäuser „Zur Linde“, wo dieser wunderschöne Baum im Garten seinen Schatten spendet und den Gast zum Verweilen einlädt.

Eingang gefunden hat die Linde auch in vielen deutschen Volksliedern. Am bekanntesten ist wohl „Am Brunnen vor dem Tore“ von Wilhelm Müller nach der Melodie von Franz Schubert. Die erste Strophe lautet:

„Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum: ich träumt in seinem Schatten so manchen süßen Traum; ich schnitt in seine Rinde so manches liebe Wort; es zog in Freud und Leide zu ihm mich immer fort.“

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