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Die Wald-Kiefer – „Holz und Harz in Hülle und Fülle“

Nachdem die beiden letzten Male Laubbäume im Mittelpunkt standen, wird heute ein Nadelbaum ins Blickfeld gerückt, der (zusammen mit der Lärche und der Strobe) rund 72 % der Waldfläche im Landkreis Schwandorf einnimmt. Die Wald-Kiefer oder Föhre ist in den tieferen Lagen die Hauptbaumart in unserer Gegend. Aufgrund ihrer großen Anpassungsfähigkeit findet man sie sowohl auf sehr trockenen Standorten als auch auf sehr nassen, z.B. Mooren. Sie kommt ebenso mit Rohböden zurecht und ist deshalb auch (mit der Birke und anderen Bäumen) ein Erstbesiedler solcher Flächen (sog. Pionierbaumart). In vielen Gegenden wurde die Kiefer auf nährstoffarmen und trockenen Standorten ausgeforstet. Auch bei uns war die Kiefer dafür die bevorzugte Baumart, denn Holz wurde in der Oberpfalz im Mittelalter von der Eisenindustrie oder den vielen Köhlereien benötigt. Auch eine intensive Waldweide und das Streurechen in den Wäldern laugten die Böden aus, so dass nur anspruchslose Baumarten wie die Kiefer dort wachsen konnten.

An geeigneten Standorten kann die Kiefer bis zu 600 Jahre alt und 35 bis 40 Meter hoch werden. In der Wuchsform ist sie sehr variabel. Abhängig vom Standort bilden sich schmale kegelförmige oder breite schirmförmige Kronen aus. Ältere Bäume haben oftmals eine halbkugelige Krone und einen langen Stamm, bei dem die unteren Äste abgestorben sind. Gut erkennbar ist die Waldkiefer auch an ihrer Rinde, denn die Stämme sind deutlich zweifarbig. Die Kiefer hat eine stark gefurchte, grau- bis rotbraune Schuppenborke im unteren Stammbereich und eine glatte, oftmals leuchtend orangerote dünne Spiegelrinde im oberen Bereich. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal der verschiedenen Kiefernarten untereinander ist die Anzahl der Nadeln an einem Kurztrieb. Man unterscheidet in der Hauptsache fünf-, drei- und zweinadelige Kiefern. Zu den letzteren gehört die Waldkiefer.

Für die Kiefer gibt es regional viele unterschiedliche Namen. Bei uns gebräuchlich ist die Bezeichnung Föhre. Interessant ist, dass der Begriff Kiefer ein zusammengesetztes Wort aus „kien“ (harzreiches Holz) und „föhre“ (Ausdruck für Nadelbäume allgemein) ist. Die botanische Bezeichnung „pinus“ leiten manche von „pinum“ = „spitzer Gegenstand“ ab, was man auf die spitzen Nadeln bezieht. Andere sehen den Ursprung in „picnus“, was von „pix“ = „Harz, Pech“ kommt, also mit „Harz liefernden Baum“ übersetzt werden kann. Die Kiefern produzieren das Harz, um bei Verletzungen der Rinde den Wundabschluss zu bilden, damit der Baum vor Infektion mit Pilzkrankheiten geschützt ist.

Aus dem Holz der Kiefer wurden die sog. Kienspäne geschnitten. Im Mittelalter waren sie die wichtigste Lichtquelle und wurden z. T. noch bis ins 20. Jahrhundert verwendet. Auch das Harz wurde zu pharmazeutischen Produkten, Lacken oder Wagenschmiere weiterverarbeitet. Außerdem stellte man Kienöl (Terpentinöl) und Holzteer (Pech) her. Den zähen Holzteer verwendete man zum Abdichten von Holzfässern und Booten. Kiefernölextrakte aus Nadeln und jungen Trieben werden als Duft- und Massageöle und innerlich (Inhalation) gegen Erkältungskrankheiten und Halsbeschwerden verwendet, für letzteres kann man auch Kieferntee aufgießen. Wer sich bei Glieder-, Gelenk- oder Muskelschmerzen, Prellungen und Verstauchungen Erleichterung verschaffen will, reibt sich mit Kiefern-Franzbranntwein ein.

Und auch Dichter beschäftigen sich mit der Kiefer. Theodor Fontane hat ihr in seinem Gedicht „Mittag“ ein Denkmal gesetzt:

„Am Waldessaume träumt die Föhre,

am Himmel weiße Wölkchen nur;

es ist so still, dass ich sie höre,

die tiefe Stille der Natur.

Rings Sonnenschein auf Wies' und Wegen,

die Wipfel stumm, kein Lüftchen wach,

und doch, es klingt, als ström' ein Regen

leis tönend auf das Blätterdach.“

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