Das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum)
Waren die letzten Porträts über eher feuchte Standorte liebende Pflanzen, soll heute eine weit verbreitete Art in den Mittelpunkt gestellt werden, die an trockenen Wegrändern und Böschungen, an Wald- und Heckensäumen oder auf mageren Wiesen vorkommt. Das Echte Johanniskraut, auch Tüpfel-Hartheu genannt, wird etwa 30 bis 80 cm hoch und strahlt im Sommer mit seinen goldgelben Blüten mit der Sonne um die Wette. Der aufrechte Stängel ist durchgehend zweikantig und innen markig ausgefüllt (nicht hohl).
Der Name Johanniskraut bezieht sich auf den Blühbeginn um den Johannistag (24. Juni), wobei sich die Blütezeit bis in den September hineinzieht. Die Bezeichnung Hartheu weist auf die harten Stängel hin, die wenig brauchbares Heu ergeben. Der Vorsatz Tüpfel nimmt ebenso wie der lateinische Artname perforatum darauf Bezug, dass die elliptisch bis eiförmigen Blätter durchlöchert (perforiert) wirken, wenn man sie gegen das Licht hält (Tausendlöcherlkraut). Der Sage nach stammen diese Löcher vom Teufel, der aus Bosheit über die Macht, die dieses Kraut über böse Geister und über ihn selbst besaß, die Blätter mit Nadeln zerstochen haben soll. Tatsächlich sind die Blätter dicht mit durchsichtigen Öldrüsen besetzt, in denen das helle ätherische Öl der Pflanze konzentriert ist. Für den griechischen Namen Hypericum gibt es die verschiedensten Deutungen, deren Erläuterung hier aber zu weit führen würde.
Am oberen Stängelteil ist die Pflanze buschig verzweigt. Die Blüten besitzen fünf goldgelbe Kronblätter, die nur auf einer Seite gezähnt und am Rande schwarz punktiert sind. Zerreibt man die Blüten, tritt das rotfarbene Hypericin aus und färbt sich an den Fingern rot bis violett. Einer Legende nach stand die Pflanze unter dem Kreuz Christi, und jede Blüte fing einen Tropfen seines Blutes auf.
Bereits in der Antike wurde Johanniskraut als Heilpflanze verwendet. Heute wird es als pflanzliches Arzneimittel wegen seiner leicht stimmungsaufhellenden Wirkungen zur Behandlung von leichten bis mittleren depressiven Verstimmungen oder nervöser Unruhe sowie auch in den Wechseljahren eingesetzt.
Volksmedizinisch wird Johanniskraut auch als Tee und Tinktur verwendet. Die in kaltgepresstem Oliven- oder Sonnenblumenöl einlegten Johanniskrautblüten (Rotöl) wirken bei Rheuma und Hexenschuss, fördern die Wundheilung, wirken schmerzlindernd bei Verstauchungen und bei Blutergüssen. Man nutzt die Pflanze weiterhin bei Schlaflosigkeit und Menstruationsbeschwerden. Bei Tee- oder Ölkuren sollte allerdings pralles Sonnenlicht gemieden werden, da Hypericin die Empfindlichkeit gegenüber UV-Licht erhöht.
Das Johanniskraut gehört zu den vielen heimischen Pflanzen, deren heilkräftige Wirkung in der letzten Zeit wieder mehr und mehr entdeckt wird.
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