Das Gänseblümchen (Bellis perennis)
Der Herbst hat mittlerweile Einzug gehalten und fegt mit starken Winden die letzten Blätter von den Bäumen. Die Pflanzenwelt stellt sich auf den bevorstehenden Winter ein, die üppige Blütenfülle ist verschwunden. Eine Pflanze jedoch trotzt den widrigen Bedingungen und blüht je nach Witterungsverlauf bis Ende November oder länger und kann ab Februar schon wieder erscheinen: Das Gänseblümchen wächst auf Wiesen, Angern, an Wegrändern und in Rasen. Aus der mehrjährigen Blattrosette mit den spatelförmigen Blättern entspringen während der Blütezeit ununterbrochen bis 10 cm hohe, blattlose Stängel mit jeweils einer einzelnen Blüte. Diese besteht aus weißen, oft an den Spitzen rosa überlaufenen Zungenblüten und aus vielen kleinen goldgelben Röhrenblüten in der Mitte. Ursprünglich war das Gänseblümchen in Südeuropa heimisch, doch schon im Altertum rückte es nach Mitteleuropa vor, als es hier immer mehr Wiesen gab. Zum so häufigen Auftreten kam es jedoch erst mit der Einführung von Rasenflächen in Gärten und Parks, weil der Rasenmäher über seine flache Blattrosette hinweggeht und das kleine Gänseblümchen so das ganze Jahr volles Sonnenlicht genießt.
Sein botanischer Name leitet sich von den lateinischen Wörtern bellus = schön und perennis = ausdauernd ab. Der deutsche Name ergibt sich wohl daraus, weil es von den Gänsen als Leckerbissen verzehrt wird. Weitere volkstümliche Namen wie Angerbleamerl, Osterblume, Mairöserl, Mutterblümchen, Regenblume, Sonnentürchen, Massliebchen oder Tausendschön leiten sich aus der Hauptblütezeit, dem Standort oder der schönen Blüte ab. Auch die Fähigkeit, am Abend oder vor Regen die Blütenkörbchen zu schließen, um sie so vor Nässe zu schützen, macht es einerseits zu einem Symbol der Mutterliebe und andererseits auch zu einem Wetterpropheten und Regenmelder.
In der Naturheilkunde bekannt ist die blutreinigende Wirkung des Gänseblümchens, welches auch als Schmerz- und Wundheilmittel bei Schürfwunden, Prellungen, Verstauchungen und Muskelschmerzen sowie bei Hauterkrankungen und Leberleiden eingesetzt wird. Wegen der Inhaltsstoffe ist es auch entwässernd, als Frühjahrskur und als Rheumamittel geeignet. Die Knospen kann man als falsche Kapern einlegen, ferner sind die jungen Blätter und die Blüten als Salatbeigabe oder auch als Belag auf einem Butterbrot geeignet.
Das Gänseblümchen ist einer der ersten Frühlingsboten und es heißt, wer die ersten drei Blüten des Jahres mit dem Mund pflückt und isst, wird das restliche Jahr von Zahnschmerzen, Augenbeschwerden und Fieber verschont. In der keltischen Mythologie galt das Gänseblümchen als Mittel, um das Wachstum zu beeinflussen und deshalb sind Gänseblümchenwurzeln für Harry Potter gut zerkleinert eine Zutat für den Schrumpftrank. Und alle Kinder kennen natürlich auch das Gänseblümchen als Orakel, indem die einzelnen Blütenblätter zusammen mit einem Abzählreim (... liebt mich, liebt mich nicht, ...) abgezupft werden. So hat auch dieses Blümchen, wie die anderen in dieser kleinen Reihe vorgestellten Pflanzen, seine eigenen Geschichten, die zum Schmunzeln und Entdecken einladen.
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