Hast du die Gans gestohlen? - Der Rotfuchs
Die meisten von uns haben einen Fuchs wohl am ehesten nachts im Scheinwerferlicht des Autos beim Überqueren einer Straße auftauchen und wieder verschwinden sehen. Dies verwundert nicht, denn der Rotfuchs ist ein dämmerungs- und nachtaktives Tier. Seine Sinnesorgane sind speziell an das Leben im Dunkeln angepasst. So hat der Fuchs ein sehr gutes Gehör. Die Ohren, die in fast alle Richtungen drehbar sind, orten jedes Geräusch sehr genau. Darüber hinaus verfügt der Fuchs über einen Geruchsinn, der über 400-mal besser als der des Menschen ist. Zahlreiche Tasthaare an der Schnauze und den Pfoten dienen dazu, auch noch die kleinste Bewegung und Erschütterung wahrzunehmen.
Füchse sind Raubtiere und gehören zu den Hundeartigen, sie sind also ziemlich nah mit dem Hund und dem Wolf verwandt. Typisch für sie ist der dicke, buschige und sehr lange Schwanz. Der Körper wird etwa 70 Zentimeter, der Schwanz rund 40 Zentimeter lang. Das Gewicht variiert zwischen sechs und zehn Kilogramm. Füchse sind im Vergleich zu Hunden mit ähnlicher Körpergröße viel leichter und schmaler. Deshalb sind sie sehr sportlich: Sie können bis zu fünf Meter weit und zwei Meter hoch springen und bis zu 50 Kilometer pro Stunde schnell laufen.
Der Rotfuchs ist ein relativ anspruchsloser Allesfresser. Auf dem Speiseplan ganz oben stehen Mäuse, die er mit einem eleganten Sprung erbeutet und blitzschnell mit den Zähnen packt. Der Erfolg der Jagd hängt viel vom schnellen Zubeißen ab, da Füchse an ihren Pfoten keine Krallen besitzen, um ihre Beute zu halten. Weiterhin frisst er Regenwürmer, Schnecken und Heuschrecken, aber auch viele andere Insekten, Vögel und Vogeleier sowie Eidechsen und Frösche. Zu seiner Beute zählen auch Rehkitze, Hasen und Hühnervögel. Da der Fuchs in der Nähe von menschlichen Siedlungen auch Haushühner jagt, hat er sich bei den Menschen den schlechten Ruf eines Hühnerdiebes eingehandelt. Nur das alte Kinderlied hat wohl nicht ganz recht: Eine ausgewachsene Gans ist für die meisten Füchse eine Nummer zu groß. Füchse können höchstens junge Gänse überwältigen. In der heutigen Zeit kommt dem Fuchs eine wichtige Funktion als „Gesundheitspolizei“ zu, da er auch viele auf Straßen überfahrene Tiere als Nahrung nutzt. Je nach Jahreszeit spielt ebenso pflanzliche Kost bei der Ernährung eine tragende Rolle, da sich die Tiere auch von reifen Beeren und Früchten ernähren.
Füchse sind extrem anpassungsfähig. Sie stellen an ihren Lebensraum keine besonderen Anforderungen. Wälder, Wiesen, Äcker und zunehmend auch Dörfer und Städte werden von Füchsen besiedelt, so dass man hier immer mehr ihre Spuren bemerken kann. Schlau wie sie sind, haben sie längst entdeckt, dass es auch in Ortschaften allerlei Leckeres in Gärten, Müllhalden und Abfall- und Komposthaufen zu finden gibt.
Die meisten Füchse bewohnen Erdbaue, die sie entweder selbst graben oder auch von einem Dachs übernehmen. Wenn der Bau groß genug ist, kommt es auch vor, dass Fuchs und Dachs gemeinsam darin wohnen. Neben dem Hauptgang gräbt der Fuchs zusätzliche Fluchtröhren, die ein schnelles Entkommen sichern.
Wenn man in Januar- oder Februarnächten ein Heulen und Bellen in der freien Natur hört, sind das oft Füchse auf Partnersuche. Diese Paarungszeit wird bei Füchsen Ranzzeit genannt. Meist umwerben mehrere Männchen ein Weibchen. Der Auserwählte paart sich schließlich mit der Fähe, wie die Füchsin genannt wird, bleibt bei ihr und hilft bei der Aufzucht der Jungen. 50 bis 52 Tage nach der Paarung kommen drei bis fünf Junge zur Welt. Sie sind bei der Geburt blind, etwa so groß wie ein Maulwurf und haben ein dunkelgraues Fell. Nach etwa zwei Wochen öffnen sie die Augen. Im Alter von vier bis sechs Wochen werden die Kleinen entwöhnt und sind mit vier Monaten bereits selbständig. Die Geschlechtsreife erreichen Füchse mit etwa zehn Monaten. Nach rund einem Jahr verlassen die Jungen die Mutter, um sich ein eigenes Revier zu suchen.
Früher konnten Adler und Wolf den Füchsen gefährlich werden. Doch heute haben die Füchse bei uns kaum noch natürliche Feinde. Vom Menschen wurden sie einst wegen ihres Pelzes gejagt. In den letzten Jahrzehnten wurden viele Füchse getötet, weil sie die Hauptüberträger der Tollwut sind. Mit dieser tödlichen Krankheit kann der Fuchs nicht nur andere Tiere, sondern auch den Menschen anstecken. Die Jagdzeit auf den Fuchs ist in Bayern ganzjährig bei Schonung von Elterntieren während der Jungenaufzucht.
Sein rasches Reaktionsvermögen und seine gute Lernfähigkeit haben dem Fuchs den Ruf des schlauen, listigen und verschlagenen Reineke eingebracht, der in vielen Fabeln und Märchen auftaucht. „Reineke“, von dem sich der Vorname Reinhard herleitet, bedeutet „der Ratskundige“, also einer, der sich zu helfen weiß. Interessant ist auch die Herkunft des Wortes „Fuchs“, das sich von alten Bezeichnungen für den buschigen Schwanz ableitet. Der „Geschwänzte“ wurde er genannt, um ihn nicht durch die Nennung seines Namens herbei zu rufen. Weil man sich früher beim Fuchs etwas Dämonisches, ja Teuflisches vorstellte, wozu auch sein rotes Fell beitrug (rot als Farbe des Teufels), wagte man nicht, seinen eigentlichen Namen auszusprechen. Darum wird er mundartlich auch heute noch oft als „Gevatter“, „Langschwanz“ oder „Holzhund“ bezeichnet.
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