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Die Fichte – „Brotbaum des Waldbauern“

Zum Abschluss der kleinen Reihe über Bäume steht dieses Mal eine Art im Mittelpunkt, an der sich manche Geister scheiden. Die Gemeine Fichte, auch Rotfichte oder Rottanne genannt, ist aus unseren Landschaften nicht wegzudenken. In Bayern wächst sie auf fast der Hälfte der Waldfläche, während sie im Landkreis Schwandorf mit etwa einem Fünftel der Waldfläche die zweithäufigste Baumart ist. Sie dominiert vor allem auf den Höhen des Oberpfälzer Grenzgebirges und auf seinen Ausläufern.

Wegen ihres im Vergleich zu anderen Baumarten schnelleren Wachstums, ihrer hohen Erträge und da bereits in jüngeren Beständen Holz kostendeckend geerntet werden kann, wurde die Fichte als „Brotbaum“ der Forstwirtschaft bezeichnet. Auch weil ihr Holz sehr vielfältig verwendbar ist, hat sie bei uns eine große Verbreitung weit über ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet hinaus gefunden. Die Gemeine Fichte wird beispielsweise zur Papierherstellung genutzt, liefert gutes Bauholz und ist ein wichtiges Nutzholz für den Möbelbau. Natürlicherweise wächst sie in den Mittelgebirgen erst oberhalb 800 m, durch forstlichen Anbau wurde sie aber viel weiter verbreitet. Sie prägt heute in weiten Teilen Bayerns das Waldbild.

Noch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden weite Flächen mit Fichtenreinbeständen aufgeforstet. Dabei wurden auch weniger optimale Standorte bepflanzt, da ein schneller Ertrag oft vor die Sicherheit des Bestandes ging. Heute werden zahlreiche Fichtenbestände wieder umgewandelt. Dafür sind einerseits die standörtlichen Gegebenheiten der Anlass, andererseits aber auch die zunehmende Klimaerwärmung. Hier tritt, ebenso wie im wirtschaftlichen Bereich, die noch besser wüchsige Douglasie in Konkurrenz zu der Fichte.

Fichten besitzen einen langen, geraden Stamm mit schuppiger, in jungen Jahren rötlicher Rinde. Ausgewachsene Exemplare können etwa 5 Millionen Nadeln an ihren kegelförmigen Kronen tragen. Ihre hängenden Zapfen fallen nach der Reife als Ganzes ab.

Fichten werden zwischen 30 und 45 m, im Einzelfall sogar bis zu 60 m hoch. In der Regel werden sie 250 bis 300 Jahre alt, es wurden sogar bis zu 600 Jahre alte Bäume gefunden. In Wirtschaftswäldern werden Fichten in einem Alter von etwa 80 bis 130 Jahren genutzt.

Bezüglich der Nährstoffansprüche ist die Fichte eher anspruchslos, nur hinsichtlich der Wasserversorgung stellt sie hohe Anforderungen. Die Böden müssen ganzjährig eine gute bis ausreichende Wasserversorgung gewährleisten, aber gut durchlüftet bleiben. Auf staunassen Böden wurzelt die Fichte häufig relativ flach und ist dann durch Sturmwurf gefährdet. Auch Borkenkäfer und Nassschnee können zu empfindlichen Schäden führen.

Im Christentum ist die Fichte als Weihnachtsbaum sehr beliebt, allerdings werden heute eher Tannen verwendet, weil ihre Nadeln länger am Baum bleiben als bei Fichten. Der Maibaum ist oft der längste Fichtenstamm des Umkreises. Das Fichtengrün als Girlande oder Türschmuck bei Hochzeiten und für Festtage ist ein Zeichen für eine ewig oder lange währende Lebensgemeinschaft.

Allgemein wurde der Fichte und besonders dunklen Fichtenwäldern oft eine düstere und mystische Bedeutung zugeschrieben, was speziell in Märchen wie „Das tapfere Schneiderlein“ und „Hänsel und Gretel“ zum Ausdruck kommt. In deren Symbolik sind die Riesen bzw. die Hexe in einem Fichtenwald zu Hause.

Die Harze, Nadeln und Zweige der Fichten werden wegen ihrer Inhaltsstoffe traditionell in der Volksmedizin und als Heilpflanze verwendet. Da nachgewiesen werden konnte, dass die ätherischen Öle der Fichte eine auswurffördernde Wirkung haben, wird das Fichtenöl in der modernen Medizin eingesetzt. Als Bestandteil von Bronchialbalsam und Inhalationen dient es zur Behandlung von Bronchitis und festsitzendem Husten. Als Beigabe in Badezusätzen fördert es die Durchblutung und unterstützt die Behandlung von rheumatischen Erkrankungen und Erschöpfungszuständen. Die jungen Zweige enthalten allgemein viel Vitamin C.

Die Fichte und alle anderen in diesem Internationalen Jahr der Wälder 2011 vorgestellten Baumarten sind faszinierende Lebewesen, die eng mit dem Leben des Menschen verbunden sind und ohne die der Mensch nicht leben könnte. Etwas abgewandelt lässt sich dies wohl in dem bekannten Spruch Martin Luthers zusammenfassen: „Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Bäumchen pflanzen.“

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