Sprungziele
Inhalt

 

Sitzt er in der Grube oder liegt er im Pfeffer? - Der Feldhase

Kurz vor Ostern liegt es natürlich nahe, sich mit dem heimischen Wildtier zu beschäftigen, dass wie kein anderes mit diesem Fest in Verbindung gebracht wird.

Der Feldhase wird etwa bis zu 70 Zentimeter groß und kann ein Gewicht von bis zu sechs Kilogramm erreichen. Typisch sind zum einen die langen, kräftigen Hinterbeine, mit denen er mehrere Meter weit und hoch springen und unglaublich schnell beschleunigen kann. Auf der Flucht erreicht er Geschwindigkeiten von etwa 50 Kilometern pro Stunde, kurzzeitig sogar bis zu 70 Stundenkilometer. Seine abrupten Richtungswechsel und das plötzliche, rechtwinklige Abbiegen, das Haken schlagen, verwirren seine Verfolger und retten ihm oft das Leben. Ein anderes Merkmal sind die Löffel, seine bis zu 15 Zentimeter langen Ohren. Sie sind ausgezeichnete Schalltrichter, mit denen er selbst leise Geräusche auffangen kann. Um sich zu erfrischen, stellt er sie bei großer Hitze in den Wind. Die Ohren sind auch ein Unterscheidungsmerkmal zum Kaninchen. Der deutlich größere Feldhase hat wesentlich längere Ohren mit schwarzen Spitzen.

Im Gegensatz zum Kaninchen legt der Feldhase auch keine Baue an, sondern lebt nur oberirdisch. Er ist sehr scheu und als Einzelgänger überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber hockt er zur Deckung und Ruhe meist regungslos und durch sein braunes Fell gut getarnt in einer flachen Mulde, die „Sasse“ genannt wird. Dabei kann der Feldhase durch sein ausgezeichnetes Gehör Gefahren frühzeitig wahrnehmen und durch Verstellen der Ohren die Richtung genau orten. Auch der Geruchssinn ist sehr gut ausgeprägt. Kommt einer seiner zahlreichen Feinde wie Fuchs, Marder, verschiedene Greifvögel und auch der Mensch dem Versteck zu nah, ergreift der Hase blitzschnell die Flucht.

Der Feldhase ist bereits mit sieben Monaten geschlechtsreif und kann drei bis vier Mal im Jahr bis zu vier Junge bekommen. Die Paarungszeit beginnt oft schon im Januar. Im März erreicht sie ihren ersten Höhepunkt. Mehrere Häsinnen und Rammler, die männlichen Hasen, versammeln sich dann zur „Hasenhochzeit“. Dabei entscheidet die Häsin, welche Rammler als Hasenvater in Frage kommen. Die Favoriten müssen Ausdauer und Kraft in spektakulären Wettläufen und Boxkämpfen unter Beweis stellen. Innerhalb kürzester Zeit paart sich die Häsin dann mehrmals mit verschiedenen Partnern, so dass innerhalb eines Wurfs Mehrfach-Vaterschaften vorkommen. Als kleines Wunder der Natur kann man es bezeichnen, dass die Häsin während der etwa 42-tägigen Tragezeit nochmals trächtig werden kann und sich so Embryonen unterschiedlicher Entwickelungsstadien in ihrer Gebärmutter befinden.

Die frisch geborenen Junghasen wiegen etwa 100 – 150 g und sind als „Nestflüchter“ bereits bei der Geburt behaart und können sehen. Obwohl Hasen in den ersten Lebenswochen von ihrer Mutter nur einmal täglich wenige Minuten lang gesäugt werden, ist die Häsin keine Rabenmutter. Mit dieser Taktik werden nämlich Räuber auf die hilflosen Junghasen in der Erdmulde kaum aufmerksam gemacht. Erwachsene Feldhasen ernähren sich ausschließlich pflanzlich. Sie fressen grüne Pflanzenteile, aber auch Knollen, Wurzeln und Getreide sowie vor allem im Winter die Rinde junger Bäume und Knospen.

Der Feldhase ist zwar nicht akut in seinem Bestand bedroht. Aber seine Zahl hat sich in den letzten Jahrzehnten stark reduziert. Die Gründe sind vielfältig. Sicherlich spielt der Straßenverkehr eine sehr große Rolle. Auch die Vielzahl von Feinden, wie der Fuchs, machen dem Hasen zu schaffen. Aufgrund intensivierter Landwirtschaft gibt es darüber hinaus immer weniger Hecken, Feldgehölze und Kräutersäume an den Ackergrenzen. Gerade die aber braucht der Feldhase als Nahrungsquelle und Deckung vor seinen Feinden. Oft werden die Wiesen auch dann gemäht oder Felder bearbeitet, wenn die Häsin ihre Jungen abgelegt hat. Die Jungen flüchten nicht und werden so zum Opfer der Maschinen. Außerdem sind junge Feldhasen sehr wetterabhängig. Ist das Fell nass, kühlt der Körper rasch aus und Krankheiten können sich breit machen. Viele Junghasen sterben deshalb in einem verregneten, kalten Frühjahr.

Als sehr verbreitetes heimisches Tier hat der Hase seinen Platz auch in Märchen (zum Beispiel „Der Hase und der Igel“), Fabeln („Meister Lampe“) und Redewendungen („Hasenfuß“, „Angsthase“) gefunden. Sprichwörtlich sind seine Scheu, seine Schnelligkeit, seine Wendigkeit und natürlich seine langen Ohren.

Neben dem Ei ist der Hase zu dem Symbol des Osterfestes geworden. Ab dem 19. Jahrhundert hat sich der Osterhase eindeutig als unumstrittenes österliches Symboltier durchgesetzt. Wahrscheinlich hat ihn sein Verhalten in freier Flur zum Favoriten fürs Eierverstecken gemacht. Feldhasen verharren still in ihrer Sasse, bis sie bei Gefahr in letzter Minute davonspringen. Diese Stelle wurde als Platz der Eierablage interpretiert. Außerdem kommen im Frühjahr die ausgehungerten Hasen oftmals zur Nahrungssuche in die Dörfer. Obwohl sie eigentlich die Nähe des Menschen meiden, ging man davon aus, dass sie zu Beginn des Frühlings in die Gärten kamen, um die Eier zu verstecken. Hoffentlich werden auch Sie dann am Ostermorgen von einem Hasen besucht!

Zurück

Verein Naturpark
Oberpfälzer Wald e.V.

Wackersdorfer Str. 80
92421 Schwandorf
Tel. 09431 / 471-0
Fax 09431 / 471-100
npv@naturpark-opf-wald.de