Die Schwarz-Erle – „Kein Angst vor nassen Füßen“
Mit der dieses Mal vorgestellten Baumart begeben wir uns in feuchte Gefilde. Wie keine andere heimische Baumart besitzt die Schwarzerle („Alnus glutinosa“) nämlich die Fähigkeit, nasse Standorte zu besiedeln. Mit ihrem tief reichenden Herzwurzelsystem kann sie auch in ganzjährig vom Grundwasser beeinflusste Bereiche vordringen. Die Luftversorgung der Wurzeln wird dabei durch große Öffnungen in der Rinde und Luftkanäle im Holz gewährleistet. Eine weitere Besonderheit der Schwarzerle sind die Wurzelknöllchen. Diese beherbergen Bakterien, die den Stickstoff aus der Luft binden können, so dass sich die Schwarzerle mit diesem wichtigen Nährstoff selbst versorgen kann. Die Erle hat es daher auch nicht nötig, vor dem Laubfall aus ihren Blättern die Inhaltsstoffe abzuziehen, weswegen diese grün abfallen. Die stickstoffreiche Laubstreu wird besonders rasch zersetzt und ist bereits im späten Frühjahr des Folgejahres vollständig verschwunden.
Charakteristisch für die Schwarzerle sind die oval bis rundlichen Blätter mit ihrer eingekerbten Spitze. Auch besitzt keine andere einheimische Laubbaumart einen solch auffallend bis in die Kronenspitze gerade durchlaufenden Stamm. Die Schwarzerle erreicht mit maximal 100 bis 120 Jahren ein relativ geringes Alter. Dabei kann sie etwa 30 Meter hoch werden.
Die Schwarz-Erle ist ein ausgesprochener Frühblüher, die typische Blütezeit ist von Februar bis April. Die schon im Vorjahr angelegten männlichen und weiblichen Blüten kommen auf einem Baum vor und werden mit dem Wind bestäubt. Während des Heranreifens der Früchte verholzt der Fruchtstand und entwickelt sich zu einem Zapfen. Die winzigen Früchte werden vom Winde verweht oder mit dem Wasser verbreitet. Im Winter sind diese Früchte eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel wie den Erlenzeisig und den Stieglitz.
Die Schwarz-Erle findet man vor allem in Auenwäldern, die viele Fließgewässer begleiten und regelmäßig überschwemmt werden. Typisch ist sie im nach ihr benannten Erlen-Bruchwald, der sich dadurch auszeichnet, dass der Grundwasserstand ganzjährig sehr hoch ist und nur wenig schwankt.
Vieles, was in der Mythologie um die Schwarz-Erle entstanden ist, hat damit zu tun, dass sie vorzugsweise auf nassen, sumpfigen Standorten vorkommt. Dort war es den Menschen seit jeher unheimlich. So fürchteten Wanderer, vom Wege abzukommen und dem „Erlenweib“ zu begegnen, das sie aus Hinterlist in den dunklen Sumpf ziehen könnte. Auch das Zuhause des Erlkönigs kann dort gefunden werden. Allerdings hat Johann Wolfgang von Goethes „Erlkönig“ eigentlich nichts mit der Erle zu tun. Er hat hier eine Fehlübersetzung Gottfried Herders aus einer dänischen Legende um einen „Elfenkönig“ übernommen.
Mancherorts ist der Baum auch als „Roterle“ bekannt, was sich auf die rötliche Verfärbung („Bluten“) des frisch geschlagenen Holzes bezieht. Die Farbe Rot galt den Germanen als Sinnbild des Teufels, der Hexen und des Bösen schlechthin. In einer Erlenlandschaft soll es Hexen mit Haaren so blutrot wie das frisch gefällte Holz gegeben haben.
Ihr Namenszusatz „Schwarz“ bezieht sich auf die im Alter zerklüftete, dunkle Schuppenborke. Manche leiten ihn von der alten Verwendung ihrer Rinde zum Schwarzfärben von Leder sowie der Herstellung schwarzer Tinte aus ihren Fruchtzapfen ab. Die Schwarz-Erle war früher der „Holzschuh-Baum“ wegen der häufigen Verwendung des Holzes für diesen Zweck. Auch für Küchengeschirr und zur Bleistift-Herstellung wurde es beispielsweise genutzt. In Wasser verbaut zeigt Erlenholz eine besonders große Dauerhaftigkeit. So steht Venedig halb auf Eichen- und halb auf Erlenpfählen. Ihre wissenschaftliche Artbezeichnung „glutinosa“ bedeutet leimartig und bezieht sich auf die klebrigen jungen Triebe, die früher auch gegen die Mücken in den Häusern aufgehängt wurden.
Gefahr droht der Schwarzerle von einem winzig kleinen pilzähnlichen Organismus, dessen Sporen in die Erle eindringen können. Als typische Krankheitssymptome dieses Erlensterbens, das in den 1990er Jahren entdeckt wurde, sind dunkle Flecken am Stamm in Kombination mit kleinen hellgelben Laubblättern zu erkennen. Dann stirbt meist zuerst die Rinde nahe dem Stammfuß und schließlich der ganze Baum ab.
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