Das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis)
Dieses Mal beschäftigt sich das Pflanzenporträt mit einer streng geschützten und in der Roten Liste Bayern als gefährdet eingestuften Orchideenart: Das Breitblättrige Knabenkraut, auch als Breitblättrige Fingerwurz oder als Kuckucksblume (weil sie blüht, wenn der Kuckuck ruft) bezeichnet, wird bis 50 cm hoch und hat einen breiten, kantigen Stängel, der zur Blüte hin violett gefärbt sein kann. Die breiten Blätter, für den deutschen Namen maßgeblich, sind fleischig grün und auf der Oberseite schwarzrot bis purpurn gefleckt.
Der Name Knabenkraut bezieht sich auf kugelige oder eiförmige Knollen einer weiteren, sehr ähnlichen Orchideengattung (Orchis), die Hoden ähneln. Der korrektere deutsche Name Fingerwurz ist die Übersetzung des lateinischen Namens Dactylorhiza und steht für die fingerförmig gespaltenen Knollen dieser Orchideen. Der Artname majalis bedeutet auf den Mai bezogen und weist auf den Beginn der Blütezeit hin, die sich bis in den Juli hinzieht.
Bis zu 50 Blüten stehen in einem walzenförmigen Blütenstand dicht beieinander und sind rosarot bis purpurrot gefärbt. Die grün bis roten Tragblätter sind etwas länger als die Blüten. Bestäubt werden die Pflanzen von Bienenverwandten, die die Pollenmasse am Kopf an die Narbe anderer Blüten tragen. Die Vermehrung erfolgt entweder über Samen oder das Wachstum von mehr als einer Tochterknolle pro Jahr. Die Samen sind sehr klein (wie Staubkörnchen) und mit bloßem Auge kaum als solche zu erkennen. Der Same enthält keinerlei Nährgewebe für den Keimling. Eine Keimung kann nur mit Hilfe eines speziellen Wurzelpilzes erfolgen.
Im Volksglauben wurden früher den seltsam geformten Knollen okkulte Kräfte zugeschrieben. Die vorjährige, dunkler gefärbte Knolle wurde als Teufelshand oder Satansfinger bezeichnet, die hellere diesjährige als Marienhand oder Johannishand. Mit ihrer Hilfe sollte man am Mittag des Johannistags Krankheiten heilen können durch Bestreichen kranker Körperteile und Einnähen der Knolle in die Kleidung. Auch Liebeskummer ließe sich zu Johanni heilen.
Das Breitblättrige Knabenkraut kommt vorzugsweise in stickstoffarmen, ungedüngten sonnigen Feucht- und Nasswiesen vor, die mindestens einmal im Jahr gemäht werden. Seit geraumer Zeit nehmen die Bestände dieser Art wie bei vielen Pflanzen der Feuchtwiesen ab. Hauptursachen sind Stickstoffeintrag durch Düngung, Trockenlegen der Standorte und intensive Beweidung. Um auf diese Veränderungen hinzuweisen, wurde das Breitblättrige Knabenkraut bereits 1994 zur Blume des Jahres ernannt.
Glücklicherweise gibt es bei uns noch einige Wiesen, die z.T. sehr große Bestände des Breitblättrigen Knabenkrauts aufweisen. Wer solche Standorte findet, sollte sich an der Schönheit erfreuen und die Orchideen auf jeden Fall dort belassen.
Link: Blume des Jahres 1994
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