Sprungziele
Inhalt

 

Die Birke – „Vielseitige Frühlingsverkünderin“

Fast jedes Kind und wohl auch jeder Allergiker kennt die heute vorgestellte Baumart: Die Birke, botanisch Betula pendula, ist mit ihrer weißen Rinde nicht zu verwechseln. So ist auch das Wort „Birke“ auf einen indogermanischen Begriff zurückzuführen, der so viel wie „glänzend, leuchtend“ bedeutet.

Die Birke hat viele unterschiedliche Namen, die auf ihre Eigenschaften hinweisen: „Weißbirke“ aufgrund der Rinde. „Hängebirke“, weil ihre Zweige mähnenartig an den Spitzen überhängen und der Habitus dann im Umriss einer grünen Kaskade gleicht. „Warzenbirke“, da auf der Rinde junger Zweige kleine Harzwarzen sitzen, die ihnen eine raue Beschaffenheit (wie Sandpapier) verleihen. „Steinbirke“, weil sie als Trümmerbesiedler eine wichtige Rolle spielt, und „Sandbirke“, da sie eine extreme Anspruchslosigkeit hinsichtlich Nährstoffbedarf und Wasserversorgung besitzt. In Mitteleuropa ist sie damit die wichtigste Pionierbaumart, die als erste Brach-, Trümmer- und Kahlflächen besiedelt. Als solche blüht sie schon im Alter von wenigen Jahren und produziert jährlich reichlich viel und weitfliegende Samen. Diese sind winzige Nüsse mit zwei Flügeln, die ab August bis zum Herbst millionenfach aus den Birkenkronen heruntersegeln. Diese große Zahl ist für eine Pionierbaumart überlebensnotwendig. Die Blüte findet im April statt. Die Birke ist einhäusig, das heißt, es sitzen sowohl männliche als auch weibliche Blüten am gleichen Baum. Birken sind wie viele andere Baumarten unserer Wälder windbestäubt. Die ca. 5 Mio. Pollenkörner pro Kätzchen (!) werden weithin durch die Luft verfrachtet, was Allergikern im Frühjahr Tränen in die Augen treibt. In der Phänologie gilt ihre Blüte als ausschlaggebend für den Beginn des Vollfrühlings.

Im Vergleich zu der beim letzten Mal vorgestellten Buche wird die Birke fast nur halb so hoch (bis zu maximal 30 m) und auch bei weitem nicht so alt (selten über 120 Jahre). Die Birke ist eine der unempfindlichsten Baumarten gegen Frost und Klimaextreme, was auch ihr Vorkommen in ganz Europa, bis auf den höchsten Norden, Teile Spaniens und Italiens, Südosteuropa sowie in den Hochlagen vieler Gebirge erklärt.

Birken spielten vor allem bei nordischen Volksgruppen eine Rolle, wo Birkenrinde zur Abdeckung der Häuser und im Kanubau ebenso Verwendung fand, wie zur Herstellung von Umhängen und Gamaschen. Das Betulin, das für die Weißfärbung der Rinde verantwortlich ist, macht diese zudem schwer verweslich und für Nässe undurchlässig. Diese Eigenart wurde genutzt, indem man die Rinde als Unterlage für Schwellen und Balken auf feuchtem Boden oder eben als Dachziegel verwendete.

Auch der zuckerhaltige Birkensaft, der im Frühling durch den Stamm in die Baumkrone fließt, ist nutzbar. In die Kopfhaut einmassiert soll es den Haarwuchs fördern. Genauso lässt er sich aber auch zu Birkenwein vergären. Tee aus Birkenblättern wirkt harntreibend und salzausscheidend und wird bei Nieren- und Blasensteinen und anderen Nieren-Blasenerkrankungen angewendet.

Ein weiterer Inhaltsstoff ist der Birkenteer. Seit der Altsteinzeit bis ins Mittelalter wurde diese pechartige Substanz aus der Rinde herausgekocht und als Lederkonservierungsmittel, Wagenschmiere, zum Abdichten von Fässern und Booten und auch als vorzeitliches Kaugummi verwendet. Auch bei feuchtem Wetter gibt die Rinde oft einen guten Zunder ab. Birkenholz ist ein bekanntermaßen hervorragendes Brennholz. Das helle Birkenholz wird aber auch zunehmend im Möbelbau eingesetzt. Früher wurde oft die Birke als Bauholz für die Kinderwiege verwendet.Traditionell werden Birkenzweige zu Besen und Ruten weiterverarbeitet.

Schließlich gilt die Birke als Sinnbild der Frühlingserwachens und der Wiedergeburt, da sie im Frühjahr als einer der ersten unserer heimischen Bäume ihr Grün zeigt. Augenscheinlich wird dies in ihrer traditionellen Verwendung als Maibaum in manchen Gegenden. An das Haus der Verehrten gestellt, dient die Birke als Zeichen der Liebe und als symbolischer Heiratsantrag. Und als „Baum des Schutzes“ wird die Birke an Fronleichnam in die Straßen gestellt, durch die die Prozession führt.

Zurück

Verein Naturpark
Oberpfälzer Wald e.V.

Wackersdorfer Str. 80
92421 Schwandorf
Tel. 09431 / 471-0
Fax 09431 / 471-100
npv@naturpark-opf-wald.de