Ahorne – „Händeblatt und Nasenzwicker “
Mit ihren meist fünflappigen Blättern, die Ähnlichkeit mit einer gespreizten Hand haben, sind die dieses Mal vorgestellten Ahorne gut erkennbar. In Deutschland beheimatet sind drei Arten: Berg-, Spitz- und Feldahorn.
Letzterer bleibt mit einer maximalen Höhe von etwa 15 Metern am kleinsten. Häufig wächst er auch strauchförmig und wird wegen seiner Ausschlagskraft gerne als Schnitthecke gepflanzt. Bei der volkstümliche Bezeichnung „Maßholder“ für den Feldahorn leitet sich der erste Teil vom germanischen „mat(i)“ ab, was „Speise“ bedeutet, „Holder“ bezieht sich auf den holunderartigen, d.h. strauchartigen Wuchs der Pflanze. Dieser Name weist auf die frühere Verwendung hin: Die Blätter wurden als Viehfutter genutzt und auch wie Sauerkraut gegessen.
Das Wort „Ahorn“ hat seine Wurzel in der indogermanischen Silbe „ak“, was so viel wie „scharf, spitz“ bedeutet. Die gleiche Bedeutung hat das lateinische „acer“, wie die Ahorne botanisch bezeichnet werden. Diesem Namen macht der Spitzahorn die größte Ehre, denn seine ganzrandigen Blätter laufen in langen Spitzen aus. Besonders schön ist seine intensiv gold-orange bis rote Herbstfärbung. Aber auch die aufrecht stehenden und vor dem Laubaustrieb erscheinenden zitronengelben Blüten sind sehr dekorativ und ebenso eine wichtige Nahrungsquelle für Bienen. Der Spitzahorn erreicht eine Größe von etwa 25 bis 30 Meter und wird bis etwa 150 Jahre alt.
Am größten und ältesten unter den heimischen Ahornarten kann der Bergahorn werden. Dabei erreicht er bei einem Alter von bis zu 500 Jahren eine Höhe von bis zu 35 Meter. Seine runde Krone weist im Einzelstand eine gut erkennbare Gestalt auf. Die Blätter des Bergahorns sind am Rande leicht gesägt. Darin unterscheiden sie sich deutlich von den Blättern der anderen beiden Ahornarten. Die endständigen, traubenartigen, hängenden Blütenrispen erscheinen im Mai mit dem Laubaustrieb oder unmittelbar danach. Wie der Spitzahorn wird der Bergahorn gerne als Straßen-, Park- und Gartenbaum verwendet.
Allen heimischen Ahornarten gemeinsam sind die aus zwei einsamigen Teilfrüchten bestehenden Spaltfrüchte, die sich beim Abfallen propellerartig drehen. Erfasst diese „biologischen Hubschrauber“ der Wind, werden die Samen auf einer Fläche so groß wie ein Fußballfeld verbreitet. Diese „Nasenzwicker“ wecken Erinnerungen an die Kindheit, denn sie können auseinander geklappt wie eine Klammer auf die Nase gesteckt werden. Der Winkel, den die Flügel der Samen miteinander bilden, ist für jede Ahornart unterschiedlich und dadurch auch ein Erkennungsmerkmal. Beim Bergahorn stehen die Flügel spitzwinkelig, beim Spitzahorn stumpfwinkelig und beim Feldahorn waagrecht zueinander.
Das Holz der Ahorne wird vor allem als Bau- und Möbelholz genutzt. Das harte, gut drechselbare Holz des Bergahorns wird auch zur Herstellung von Musikinstrumenten verwendet.
In der griechischen Mythologie war der Ahorn dem Kriegsgott Ares geweiht. Auch das trojanische Pferd, mit dem die Griechen die Stadt Troja eroberten, soll aus Ahornholz bestanden haben. Eine besondere Bedeutung haben Ahornbäume in Kanada. So enthält die Flagge von Kanada seit 1965 ein rotes Ahornblatt vom Zucker-Ahorn als symbolische Bedeutung für die großen Waldflächen des Landes.
In der Baumsymbolik wurden dem Ahornbaum in früheren Zeiten Schutzkräfte gegen Hexen zugeschrieben, weshalb er auch als schützender Hausbaum in Hausnähe beliebt war. Zauberer und Hexen trauen sich angeblich auch nicht über eine Türschwelle aus Ahornholz. Auch die fünflappigen, an gespreizte Hände erinnernden Blätter würden unheimliche Wesen aller Art fernhalten. In manchen Gegenden stellen deshalb bis heute die Menschen belaubte Zweige des Bergahorns ins Fenster. Am Johannistag geschnittene Ahornzweige sollen außerdem gegen Blitzeinschläge in Häuser schützen. In der Volksmedizin gelten die am 24. Juni gepflückten, getrockneten und in kochendem Wasser eingeweichten Ahornblätter bei allen Wunden als heilkräftig. Im Volksglauben ist der Spitzahorn der Baum der Optimisten und der guten Laune. Außerdem kann er durch irgendein Ereignis aufgeschreckte Menschen beruhigen, wenn sie täglich einige Minuten unter ihm ruhen. Welch eine schöne Vorstellung!
| Zurück |
Verein Naturpark |