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28.06.2012

Überlebende der Todesmärsche am 20. Juli zu Gast

Neunburg vorm Wald Gedenken 2010
in Schwarzenfeld und Neunburg vorm Wald: Ein geschichtsträchtiges Datum hat der Landkreis Schwandorf für einen besonderen Tag der Erinnerung gewählt. Wenn Deutschland des Attentats auf Hitler am 20. Juli 1944 gedenkt, werden sieben Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Schwarzenfeld und Neunburg vorm Wald zu Gast sein. Sie waren als Jugendliche auf den Todesmärschen durch die Oberpfalz und kommen an die Orte des Grauens zurück, um vor allem Jugendlichen ihre Erinnerungen weiterzugeben.
 
Als am 16. April 1945 die SS-Kommandantur das Konzentrationslager Flossenbürg zu räumen begann, wurden die meisten der jüdischen Häftlinge in Viehwaggons gesteckt, um in Richtung Dachau transportiert zu werden. Doch dort kamen sie nie an. Am 16. April wurde ihr Zug am Bahnhof Schwarzenfeld von amerikanischen Tieffliegern angegriffen, die Lokomotive zerstört, allein 200 der Gefangenen wurden verwundet und später von der SS erschossen. Die KZ-Häftlinge wurden in Fußmärschen weitergetrieben - wer nicht mehr laufen konnte, wurde erschossen - allein am 21. April in Neunburg vorm Wald 160 Häftlinge, welche die SS-Bewacher auf dem Plattenberg verscharren ließen. Die Überlebenden mussten über Neukirchen-Balbini weitermarschieren und wurden schließlich in der Gegend von Stamsried am 23. April 1945 von amerikanischen Truppen befreit.
 
Da die meisten krank und völlig geschwächt waren, wurden sie in eilig eingerichteten Lazaretten medizinisch versorgt - viele von ihnen im Gründungshaus des Ordens der Armen Schulschwestern, im Therese-Gerhardinger-Haus in Neunburg vorm Wald.
 
Am Freitag, dem 20. Juli, begrüßt der Landkreis Schwandorf jetzt Gäste aus aller Welt, die damals als Jugendliche diesen Todesmarsch überlebt haben. Ihre Erfahrungen beim furchtbaren Massaker am Schwarzenfelder Bahnhof konnten sie nie vergessen, und wie sie in ihrer dünnen Häftlingskleidung im strömenden Regen auf einer Straße in Neunburg nächtigen mussten; sie wissen darum, wie die Neunburger Bevölkerung später gezwungen war, die Exhumierungen der Toten vorzunehmen und diese auf dem katholischen Friedhof zu bestatten. Sie haben lebhafte Erinnerungen an den "Gasthof zum Goldenen Adler" in der Neunburger Hauptstraße - hatte doch in diesem Haus ihr "Jüdische Komitee" seinen Sitz. Im Sommer 1945 fanden sie hier die öffentliche Bekanntmachung, sich zu melden, falls sie nach England auswandern wollten und das 16. Lebensjahr noch nicht erreicht hatten. Da sie davon ausgehen mussten, dass ihre Eltern und Angehörigen in den Konzentrationslagern umgekommen waren und es kein Zurück in ihre polnische oder ungarische Heimat gab, schrieben sie kurzentschlossen ihre Namen auf die Liste. Und so kamen sie ins Kloster Indersdorf, im Landkreis Dachau, von wo aus ihnen schließlich die Ausreise nach England, den USA oder Palästina gelang.
 
Jetzt kommen sie wieder nach Schwarzenfeld und Neunburg, als Teilnehmer der jährlichen Überlebendentreffen im Kloster Indersdorf und in der Gedenkstätte Flossenbürg. Auf Vermittlung der Gedenkstätte Flossenbürg entstand der Kontakt zu Anna Andlauer, die seit vielen Jahren die Schicksale dieser Jugendlichen verfolgt, die Erinnerungsreisen organisiert und ein eindrucksvolles Buch über die Lebensläufe der jungen Menschen des Kinderzentrums Indersdorf geschrieben hat. Mit Unterstützung der Mittelschule Schwarzenfeld und der Gregor-von-Scherr-Realschule Neunburg vorm Wald kommen nun zwei Begegnungen zu Stande.
 
Zu Beginn des Besuchs im Landkreis Schwandorf werden die Zeitzeugen in der Schule Schwarzenfeld von ihren Erinnerungen an die Geschehnisse 1945 berichten. Örtliche Zeitzeugen, die sich noch an die Todesmärsche in der Oberpfalz erinnern, sind herzlich eingeladen, am Freitag, dem 20. Juli, an dem Gespräch der Gäste mit Schülern in der Schwarzenfelder Mittelschule teilzunehmen. Eine Anmeldung bei der Schule unter Telefon 09435 540010 ist unbedingt erforderlich.
 
Im Anschluss findet ab 10.45 Uhr eine gemeinsame Gedenkveranstaltung des Landkreises Schwandorf und der Stadt Neunburg vorm Wald auf der KZ-Grabstätte am Plattenberg in Neunburg vorm Wald statt, welche von Schülerinnen und Schülern der Gregor-von-Scherr-Realschule gestaltet wird. Herzliche Einladung ergeht an die gesamte Bevölkerung, die diese Veranstaltung unterstützen möchte. Es wird Gelegenheit sein, mit den Überlebenden zu sprechen.

 April 1945: Kinder transportieren Särge, in denen dann die Opfer der Todesmärsche bestattet wurden. Im Hintergrund der
 
April 1945: Kinder transportieren Särge, in denen dann die Opfer der Todesmärsche bestattet wurden. Im Hintergrund der "Gasthof zum Goldenen Adler" in der Neunburger Hauptstraße, wo nach Kriegsende die jüdische Synagoge und das Jüdische Komitee ihren Sitz hatten. (Foto: Stadtarchiv Neunburg vorm Wald)
 
Bild oben links:
Jüdische Überlebende der Todesmärsche mit ihren Fotos von 1945 vor der KZ-Grabstätte auf dem Plattenberg in Neunburg vorm Wald, 2011. (Foto: Ulrich Fritz, KZ-Gedenkstätte Flossenbürg)