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30.09.2015

Jugendhilfe im Landkreis soll optimiert werden

Kreistag Klausur 2015 I

Klausurtagung des Kreistags – nicht nur die Kosten sehen 

Schwandorf/Landkreis. Zu einer ganztägigen Klausurtagung trafen sich die Kreisrätinnen und Kreisräte des Landkreises Schwandorf auf Einladung von Landrat Thomas Ebeling im City Hotel in Roding. Die Tagung befasste sich mit zahlreichen Aspekten der Kinder- und Jugendhilfe. Neben Aufgaben und Zielen wurden auch Kosten und Leistungskennzahlen, steigende Bedarfe und gesetzliche Veränderungen der letzten zehn Jahre erörtert. Breiten Raum nahm die Frage ein, wie die Jugendhilfe künftig gestaltet und weiter optimiert werden kann. Moderiert wurde die Klausurtagung von Marco Szlapka vom Institut für Sozialplanung und Organisationsentwicklung und Florian Kaiser vom Bayerischen Landesjugendamt, das am Zentrum Bayern für Familie und Soziales angesiedelt ist.

Landrat Thomas Ebeling gab in seinen Begrüßungsworten als Ziel der Tagung die Erarbeitung von Ergebnissen zur Optimierung der Jugendhilfe im Landkreis Schwandorf aus. Dieses Thema sei es wert, wesentlich umfassender erörtert zu werden, als dies in einer Kreistagssitzung der Fall sein kann. Dabei sei klar, dass am Ende des Tages keine verbindlichen Beschlüsse stehen können, sondern dass es darum gehe, die weitere Aufarbeitung des Themas und die Behandlung in den Gremien des Kreistags intensiv vorzubereiten.

Florian Kaiser vom Landesjugendamt stellte klar, dass der Begriff „Jugendhilfe“ der Aufgabenstellung nicht ganz gerecht werde. Denn die Kinder- und Jugendhilfe umfasst das Alter von der Geburt bis einschließlich der jungen Volljährigen. Das Jugendamt stülpt den Familien keine Hilfen über, ist aber zentrale Anlaufstelle für Kinder, Jugendliche und Familien und erfüllt dabei auch eine Wegweiserfunktion im Behördendschungel. Prävention stehe vor Intervention und die Hilfe sei vorrangig gegenüber der Kontrolle.

Ohne Moos nix los…

Die Erfüllung der vielfältigen Aufgaben der Jugendhilfe kostet Geld. 2012 wurden für den Bereich der Kinder- und Jugendhilfe bundesweit 32,4 Mrd. Euro ausgegeben. Das ist eine gewaltige Summe, aber doch nur 4,1 % des gesamten Sozialbudgets der Bundesrepublik Deutschland. Bemerkenswert ist, dass im Bereich der Kinder und Jugendhilfe mit bundesweit 730.000 Personen ähnlich viele Beschäftigte wie in der deutschen Automobilindustrie, dem mit Abstand bedeutendsten Industriezweig der Bundesrepublik, arbeiten.

Betont wurde aber auch, dass der Erfolg der Jugendhilfe nicht allein anhand der Kosten oder etwaiger Kosteneinsparungen festgemacht werden kann. Wenn immer mehr Familien Hilfen zur Erziehung in Anspruch nehmen, weil die Angebote vielfältiger und passgenauer ausgerichtet und dabei Benachteiligungen abgebaut werden können, sich die Jugendämter also von hoheitlichen Verwaltungsbehörden zu modernen und bürgernahen Dienstleistungserbringern entwickeln, dann sei dies ein Paradigmenwechsel, der zwar mehr Geld kosten kann, unter dem Strich aber als Erfolg zu sehen ist.

Doppeltes Mandat

Kinder- und Jugendhilfe bedeutet sowohl Erfüllung von Präventions-, Dienstleistungs-, Beratungs- und Unterstützungsaufgaben sowie Gewährung von Hilfe als auch Wahrnehmung von Schutz-, Kontroll- und Eingriffsfunktionen.

Ebenso wichtig wie der reine Blick auf die Kosten ist deshalb die Frage, wie die Gelder effektiv eingesetzt werden können. Dazu gehört auch eine Analyse, was vernachlässigt werden könnte und was getan werden muss, damit die Kinder- und Jugendhilfe nicht ausschließlich als Kostentreiber im kommunalen Haushalt wahrgenommen wird.

Marco Szlapka vom Institut für Sozialplanung und Organisationsentwicklung beleuchtete die Situation im Landkreis Schwandorf anhand der Fallzahlenentwicklung in den letzten Jahren. Während sich die Zahl der Heimunterbringungen trotz schwankenden Verlaufs nicht grundsätzlich geändert hat, zeigt die Kurve der sozialpädagogischen Familienhilfe kontinuierlich nach oben. Neben den absoluten Zahlen werden die Kosten aber auch von der durchschnittlichen Laufzeit der Hilfen bestimmt. Bei der Heimerziehung verlängere sich die Laufzeit im Durchschnitt von knapp 20 Monaten im Jahr 2012 auf gut 22 Monate im Jahr 2014.

Optimierungsmöglichkeiten besonders auch im östlichen Landkreis

Nach einer mehrstündigen Information und Diskussion wurde ein Sechs-Punkte-Plan zur Optimierung der Jugendhilfe im Landkreis ins Auge gefasst. Die Jugendhilfe sollte sich stärker am Sozialraum orientieren und dabei neue Netzwerke schaffen. Dies kann durch wohnortsnahe und auch niedrigschwellige Hilfe- und Unterstützungsangebote geschehen.

Wegen des bestehenden Fallaufkommens und der größeren Entfernung zum Kreisjugendamt in Schwandorf soll das Hilfe- und Beratungsangebot im östlichen Landkreis etwa durch Sprechtage vor Ort oder Hilfsangebote freier Träger verbessert werden.

Die Falleingangsphase soll durch Schaffung einheitlicher sozialpädagogischer Diagnosen und Festlegung von Qualitätszielen gestärkt werden.

Weitere Punkte waren eine Stärkung der Fallsteuerung durch den Sozialen Dienst, die Einarbeitung neuer Fachkräfte etwa in interkommunaler Zusammenarbeit und die Qualifizierung des Finanz- und Fachcontrollings, zum Beispiel durch eine vertiefte Auswertung nach Erfolg der Hilfe, Verweildauer und Kosten.

Mehrere Kreisräte äußerten sich sehr positiv über den Verlauf und der Ergebnisse der Klausurtagung. Die Veranstaltung sei bereits deshalb ein Erfolg, da ein besserer Einblick in die Gesamtzusammenhänge der Jugendhilfe gewonnen werden konnte, auch wenn nicht sofort Einsparpotentiale zu identifizieren sind. Auch Optimierungen werden zunächst Geld kosten und sich allenfalls langfristig rechnen. Jedenfalls fühle man sich künftig als Kreisrat nicht mehr so hilflos, wenn es darum geht, etwaige Kostensteigerungen zur Kenntnis nehmen zu müssen.

Landrat Ebeling kündigte in seinem Schlusswort an, die aufgezeigten sechs Maßnahmen nach und nach aufzubereiten und sie den zuständigen Gremien zur Entscheidung vorzulegen. Er dankte den beiden Moderatoren, den anwesenden Vertretern des Jugendamtes und allen Mitgliedern des Kreistags für die fachliche Tiefe, die in keiner Sitzung erzielt werden hätte können.

Bilder:
(1) Die Teilnehmer der Klausurtagung mit Moderator Marco Szlapka (ganz links), Landrat Thomas Ebeling (Mitte) und Moderator Florian Kaiser (Achter von rechts).
(2) Aufmerksam verfolgen die Kreisrätinnen und Kreisräte die Vorträge der beiden Moderatoren Florian Kaiser (links vor der Leinwand) und Marco Szlapka (rechts vor der Leinwand).
(3) Blick in die Runde der Kreisrätinnen und Kreisräte

Kreistag Klausur 2015 II

                                                                       
Kreistag Klausur 2015 III